💡 Aha! Die Scheinwerfer
💡 Du möchtest abwenden – doch statt die Bewegung deines Pferdes zu begleiten, verdrehst du dich im Oberkörper? Oder du sitzt vermeintlich gerade, während dein Brustkorb längst nach rechts oder links zeigt? Dieser Artikel erklärt, wie die Vorstellung von zwei Scheinwerfern dir hilft, deine Ausrichtung im Sattel zu überprüfen und deinen Drehsitz besser zu koordinieren.
AUSBILDUNG


Warum das Mittellot so leicht verloren geht
Viele Asymmetrien gehören zum Alltag. Wir stehen bevorzugt auf einem Bein, tragen Taschen auf derselben Seite oder drehen uns bei bestimmten Tätigkeiten immer in die gleiche Richtung. Im Sattel setzen sich solche Gewohnheiten fort.
Manche Reiter sitzen auf dem Pferd genauso verdreht wie sie im Büro am Schreibtisch sitzen. Andere knicken in einer Taille ein oder haben Schwierigkeiten Oberkörper und Becken gezielt getrennt voneinander zu bewegen.
Für das Pferd entsteht dadurch eine ungleichmäßige Gewichts- und Druckverteilung. Je nach Ausprägung kann es ihm schwerer fallen, geradeaus zu gehen, sauber abzuwenden oder sich auf beiden Händen gleichmäßig zu biegen. Es fällt möglicherweise auf eine Schulter, weicht über die Hinterhand aus oder reagiert auf einer Seite anders auf die Hilfen.
Solche Schwierigkeiten müssen nicht allein vom Reitersitz verursacht werden. Auch die natürliche Schiefe oder eine körperliche Asymmetrie des Pferdes kann den Reiter beeinflussen und ihn im Sattel zu einer Seite verschieben. Häufig verstärken sich die Asymmetrien von Pferd und Reiter gegenseitig.
Die Scheinwerfer auf gerader Linie
Probiere das Bild der Scheinwerfer zunächst auf einer geraden Linie aus. Richte beide Lichtkegel auf die Ohren deines Pferdes. Prüfe, ob einer der beiden Scheinwerfer an einem Ohr vorbeischeinen würde. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass dein Brustkorb verdreht oder seitlich verschoben ist.
Richte beide Scheinwerfer neu aus und beobachte, wie sich Brustkorb, Schultern und Becken daraufhin organisieren. Ziehe dabei nicht bewusst eine einzelne Schulter zurück. Die Korrektur sollte aus der Neuausrichtung des gesamten Brustkorbs entstehen.
Was passiert in der Kurve?
Die Idee der Scheinwerfer hilft dir dabei, in Kurven stabil und zentriert zu bleiben. Viele Reiter verdrehen sich im Sattel nach innen, sobald sie abwenden. Mit einer einfachen Übung kannst du überprüfen, was eine solche Drehung mit der Belastung deiner Sitzbeinhöcker macht.
Setze dich mittig auf einen Stuhl und lege jeweils eine Hand unter einen Sitzbeinhöcker. Prüfe zunächst, ob du auf beiden Händen ungefähr gleich viel Druck spürst. Du kannst dich dabei von jemandem beobachten lassen oder den Stuhl vor einen Spiegel stellen.
Drehe anschließend deinen Kopf und deinen Oberkörper langsam zu einer Seite. Bei vielen Menschen nimmt zunächst der Druck unter dem Sitzbeinhöcker auf der Seite zu, zu der sie sich drehen. Das ist der eigentliche Gedanke des Drehsitzes: Die Ausrichtung des Oberkörpers unterstützt die Gewichtsverlagerung in die gewünschte Richtung.
Drehst du dich immer weiter, kann sich die Druckverteilung jedoch wieder verändern. Ab einem bestimmten Punkt wird möglicherweise der entgegengesetzte Sitzbeinhöcker stärker belastet. Probiere aus, ob und wann du diesen Wechsel bei dir wahrnehmen kannst.
Das Pferd muss den gemeinsamen Schwerpunkt von Reiter und Pferd in der Bewegung immer wieder ausbalancieren. Eine stärkere Belastung auf einer Seite kann deshalb als Gewichtshilfe wirken. Liegt durch eine übertriebene Drehung plötzlich mehr Gewicht auf dem äußeren Sitzbeinhöcker, entsteht eine widersprüchliche Einwirkung: Der Oberkörper zeigt in die Wendung, während das Gewicht das Pferd eher in die andere Richtung schickt. Das kann dazu führen, dass das Pferd schlechter abwendet, über eine Schulter ausweicht oder sogar in die entgegengesetzte Richtung drängt.
Die Scheinwerfer begrenzen die Drehung auf das notwendige Maß. Solange beide Lichtkegel durch die Ohren des Pferdes scheinen, bleibt der Brustkorb an dessen Bewegungsrichtung orientiert. Voraussetzung ist, dass der Pferdekopf nicht übermäßig nach innen gestellt wird. Andernfalls sind auch die Ohren kein verlässlicher Orientierungspunkt mehr.
Den Blick nach vorn richten
Die Scheinwerfer haben einen weiteren praktischen Effekt: Sie richten den Blick nach vorn. Das hilft besonders Reitern, die häufig auf den Pferdehals oder auf den Boden schauen. Wer den Weg vorausschauend betrachtet, kann Wendungen und Linien frühzeitig vorbereiten, ohne den Oberkörper übertrieben nach innen zu drehen.
Ein Video von hinten oder von vorn kann dir zusätzlich zeigen, ob dein Körpergefühl mit der sichtbaren Ausrichtung übereinstimmt. Bei deutlich ausgeprägten oder schmerzhaften Asymmetrien sollte außerdem geklärt werden, ob körperliche Einschränkungen dahinterstecken. In meinen Sitzschulungen helfe ich Reitern dabei, solche individuellen Muster zu erkennen und Bilder wie dieses zu finden, mit denen sie ihren Sitz auch beim Reiten selbstständig korrigieren können.


Ein einfaches Bild für einen zentrierten Sitz – auch in Kurven
Viele Reiter sitzen nicht so zentriert auf ihrem Pferd, wie es sich für sie anfühlt. Sie knicken in einer Hüfte ein, schieben den Brustkorb zu einer Seite oder drehen die Schultern stärker, als es die gerittene Linie verlangt. Solche Gewohnheiten fallen einem selbst oft nicht auf. Der Körper hat sich an die schiefe Position gewöhnt und empfindet sie als gerade. Auch die Idee des Drehsitzes kann problematisch werden, da viele Reiter dazu neigen, die Drehung zu übertreiben.
Ein Bild, das bei der Korrektur helfen kann, sind die Scheinwerfer: Stell dir vor, deine Brüste seien zwei Scheinwerfer. Ihre Lichtkegel sollen durch die Ohren deines Pferdes scheinen. Das klingt lustig, oder? Viele meiner Schüler müssen erst einmal lachen, wenn ich mit diesem Bild um die Ecke komme. Lachen sorgt für Entspannung und lenkt etwas ab - das kann auch schon ganz hilfreich sein in manchen Fällen. Gleichzeitig hilft ihnen die Vorstellung, die Ausrichtung des Brustkorbs wahrzunehmen und mittig im Sattel sitzen zu bleiben.
Was ist das Mittellot?
Das Mittellot beschreibt die senkrechte Ausrichtung des Reiters von vorn oder hinten betrachtet. In einer neutralen Position verläuft eine gedachte Linie durch die Mitte von Kopf, Brustbein, Bauchnabel und Schambein bis zur Mitte des Sattels. Der Reiter sitzt weder rechts noch links neben dieser Linie.
Auch die waagerechten Linien spielen eine Rolle: Die Schultern sollten nicht auf einer Seite hochgezogen und auf der anderen abgekippt sein. Der Brustkorb sollte nicht seitlich verschoben sein und das Becken nicht auf einer Seite tiefer in den Sattel rutschen. Beide Sitzbeinhöcker tragen das Gewicht, ohne dass der Reiter auf einer Seite schwerer sitzt.
Das Mittellot ist dabei keine starre Position. Das Pferd bewegt sich unter dem Reiter, und der Reiter muss diese Bewegung aufnehmen können. Mittig zu sitzen bedeutet, das Gewicht gleichmäßig rechts und links der Wirbelsäule des Pferdes zu verteilen, ohne seitlich wegzurutschen oder einzuknicken. Erst von dieser neutralen Ausgangsposition aus können wir unser Gewicht gezielt und fein verlagern.
