đŽ Ausbildung: Barocke Bahnfiguren â Das Kleeblatt
Zirkel, Volten und Handwechsel gehören wahrscheinlich auch bei Dir zum ganz normalen Trainingsalltag. Aber hast Du schon einmal mehrere Volten so miteinander kombiniert, dass daraus ein Kleeblatt entsteht?
AUSBILDUNG


Das Kleeblatt gehört zu den Bahnfiguren, die auf dem Papier zunĂ€chst ziemlich einfach aussehen. Im Sattel merkt man allerdings schnell: Hier ist Konzentration gefragt. Denn innerhalb kurzer Zeit wechseln Richtung und Biegung mehrfach â und Pferd und Reiter mĂŒssen dabei trotzdem prĂ€zise auf ihrer Linie bleiben.
Genau das macht die Ăbung so spannend.
Warum ein Kleeblatt?
Eine einzelne Volte zu reiten, ist das eine. Mehrere Volten unmittelbar hintereinander und in unterschiedlicher Richtung miteinander zu verbinden, stellt noch einmal ganz andere Anforderungen. Du musst deine Wege planen, Bezugspunkte im Raum nutzen, vorausschauend reiten, dein Pferd immer wieder auf die wechselnden Biegungen vorbereiten. Dabei zeigt sich ziemlich schnell, ob Du tatsĂ€chlich die Linie bestimmst â oder ob Dein Pferd nach der ersten Volte lieber selbst entscheidet, wo es als NĂ€chstes hingeht.
Gerade fĂŒr Dich als Reiter ist das Kleeblatt deshalb eine gute Ăbung. Du musst vorausdenken, Deinen Blick rechtzeitig neu ausrichten und Deine Hilfen fĂŒr die nĂ€chste Biegung vorbereiten, ohne die aktuelle Volte schon vorzeitig aufzugeben. FĂŒr Dein Pferd hat die Ăbung ebenfalls Vorteile: Es wird gleichmĂ€Ăig gebogen, die Ăbung fördert die Geschicklichkeit und zeigt dem Reiter wie es um die Schiefe des Pferdes steht.
Gerade der stÀndige Wechsel der Biegung macht die Figur so wertvoll.
So reitest Du das Kleeblatt
Die Figur wird in einem 20 Ă 40 Meter groĂen Viereck geritten. Du beginnst auf der rechten Hand und wendest bei C auf die Mittellinie ab. Auf der Mittellinie reitest Du bis X.
Dort beginnt das eigentliche Kleeblatt: Zuerst reitest Du bei X eine 10-Meter-Volte nach rechts in Richtung E. Wieder bei X angekommen, stellst und biegst Du Dein Pferd um und reitest zwei 10-Meter-Volten nach links in Richtung A. AnschlieĂend wechselst Du bei X erneut die Stellung und Biegung und reitest noch einmal eine Volte nach rechts in Richtung B.
Nach der letzten Volte geht es von X wieder geradeaus auf der Mittellinie in Richtung C. Dort gehst Du auf die rechte Hand.
So entstehen aus den vier Volten die drei âBlĂ€tterâ der Figur â wobei das mittlere Blatt zweimal geritten wird.
Ein kleiner Orientierungstrick: Teile Dir die Bahn gedanklich zusĂ€tzlich durch die beiden Viertellinien auf. Dann fĂ€llt es leichter, die Linie des mittleren Blattes in Richtung A genau zu treffen. Bei einer 10-Meter-Volte auf der Mittellinie liegen ihre Ă€uĂeren Begrenzungen nĂ€mlich genau auf den Viertellinien â zu den beiden langen Seiten der 20 Meter breiten Bahn bleiben jeweils fĂŒnf Meter Abstand.
X ist Dein Orientierungspunkt
Der wichtigste Punkt der ganzen Ăbung ist X. Denn hier endet nicht einfach eine Volte und die nĂ€chste beginnt. An diesem Punkt musst Du Dein Pferd jedes Mal neu sortieren: Die vorherige Biegung endet, das Pferd kommt wieder zum Mittelpunkt und wird anschlieĂend fĂŒr die nĂ€chste Richtung neu gestellt und gebogen.
Versuche deshalb nicht, einfach möglichst schnell von einer Volte in die nÀchste zu kommen.
Je sauberer Du X triffst, desto klarer wird die Ăbung fĂŒr Dein Pferd.
Das gilt ĂŒbrigens genauso fĂŒr Dich: Wenn das Kleeblatt plötzlich schief wird, die Volten unterschiedlich groĂ werden oder Du X immer wieder verfehlst, lohnt es sich, nicht zuerst beim Pferd nach dem Fehler zu suchen. HĂ€ufig zeigt die Bahnfigur ziemlich unbestechlich, wie genau Du selbst Deine Linie planst.
Was trainiert das Kleeblatt?
Durch die schnellen Wechsel zwischen rechter und linker Biegung eignet sich das Kleeblatt gut, um die Geschmeidigkeit und ReaktionsfĂ€higkeit zu ĂŒberprĂŒfen. Gleichzeitig fördert es Balance, weil das Pferd nicht ĂŒber eine lĂ€ngere Strecke in derselben Biegung bleibt.
Aber auch die Hilfengebung wird genauer: Wann bereitest Du die neue Stellung vor? Wann endet die alte Biegung wirklich? Und kannst Du Dein Pferd zwischen zwei Volten einen Moment wieder gerade ausrichten?
Genau deshalb mag ich solche Bahnfiguren. Sie beschĂ€ftigen Pferd und Reiter nicht einfach nur â sie geben ziemlich unmittelbares Feedback darĂŒber, was schon gut funktioniert und wo noch etwas durcheinandergerĂ€t.
Zum Abschluss: CarriĂšre
Nach so viel Konzentration darf das Pferd sich âauf dem Stiel des Kleeblattsâ dehnen â diese Dehnung nennt sich CarriĂšre. Damit löst du die Lektion wieder auf, nachdem Du das letzte Blatt geritten bist. Aufgrund der vielen Biegung vorher, wird dein Pferd sich jetzt gerne strecken. Du kannst diesen Moment nutzen, indem du die Hand vorgibst und gleichzeitig innen sanft nachtreibst. Jetzt wirst du merken, dass sich dein Pferd durch das Nachtreiben an den ZĂŒgel heranstreckt. Wenn du alles richti gemacht hast, fördet dies auf das Anheben des Widerrists.
Und falls dein Kleeblatt beim ersten Versuch eher wie eine botanisch bislang unbekannte Pflanzenart aussieht: kein Drama. đ
Fang langsam an, orientiere Dich konsequent an X und achte zunĂ€chst darauf, dass die einzelnen Volten wirklich dort beginnen und enden, wo Du sie geplant hast. Du kannst Dir natĂŒrlich auch erstmal HĂŒtchen aufbauen, die die einzelnen AbstĂ€nde festlegen, so dass es fĂŒr dich einfacher wird.
