🌍 Die ultimative Lusitano-Bucket-List

13 Erlebnisse, die Lusitano-Fans in Portugal einmal gehabt haben sollten – Von der Feira in Golegã über einen Morgen bei der Portugiesischen Hofreitschule bis zum Besuch eines Lusitano-Gestüts: Diese Bucket-List beinhaltet 13 Erlebnisse für Pferdefreunde in Portugal – mit praktischen Tipps für die Reiseplanung.

REISEN

Agnes

8/21/202613 min lesen

Cremefarbene Lusitano-Bucket-List mit Ankreuzfeldern, Pferdezaum, Portugalkarte und dem Foto einer weißen Lusitano-Stute.
Cremefarbene Lusitano-Bucket-List mit Ankreuzfeldern, Pferdezaum, Portugalkarte und dem Foto einer weißen Lusitano-Stute.

Einmal während der Feira Nacional do Cavalo durch Golegã gehen, einen Morgen bei der Portugiesischen Hofreitschule verbringen und eine Lusitano-Herde auf den weiten Flächen eines Gestüts beobachten: Eine Bucket-List für Lusitano-Fans füllt sich schnell.

Einige dieser Erlebnisse lassen sich problemlos in eine Portugalreise einplanen. Für andere braucht man den richtigen Termin, persönliche Kontakte oder etwas Glück. Zusammen zeigen sie den Lusitano in der Zucht, bei der Arbeit, in der Reitkunst und in den Landschaften, die die Rasse geprägt haben.

1. Die Feira Nacional do Cavalo in Golegã erleben

Im November verändert sich Golegã. Pferde bestimmen dann das Bild der Straßen und Plätze. Reiter bewegen sich zwischen Fußgängern, vor den Quartieren der Gestüte werden Pferde gesattelt und auf der Manga wechseln sich Zuchtschauen, Reitprüfungen und Vorführungen ab.

Die Feira hat sich aus einem traditionellen Markt zum Martinstag entwickelt. Heute kommen Züchter, Reiter und Besucher aus vielen Ländern nach Golegã. Das eigentliche Erlebnis beginnt jedoch oft abseits des offiziellen Programms: in den Straßen, in den Ställen, die hier fast jedes Haus im Hinterhof hat und bei den spontanen Begegnungen rund um die Manga.

Mein Tipp: Besuche die Feira zu unterschiedlichen Tageszeiten. Morgens ist es ruhiger und du kannst meist besser herumlaufen, in der Reithalle beim Abreiten zusehen und shoppen. Die Casetas sind dann meist aber noch nicht besetzt. Am späteren nachmittag wird es dann voller und lauter. Abends gehören geröstete Kastanien und Água-pé oder ein Ginjinha im Schokobecher ebenso dazu wie die Menschenmenge mit den Reitern und Pferden, die wie Zetauren selbstverständlich selbst im dichtesten Getümmel mitmischen. Das Programm findest du HIER (es wird meist erst kurz vor der Veranstaltung veröffentlicht).

2. Ein Besuch bei der Portugiesischen Hofreitschule

Die Escola Portuguesa de Arte Equestre arbeitet mit Hengsten der Linie Alter Real. Bei einer Gala sieht man das Ergebnis ihrer Ausbildung. Während der Manhãs da Arte Equestre (= der Morgenarbeit) lässt sich ein Teil der täglichen Arbeit verfolgen.

Die Pferde stehen im Páteo da Nora in Belém. Geritten wird im auf der anderen Straßenseite liegenden Picadeiro Henrique Calado. Je nach Ausbildungsplan sieht man junge und erfahrene Hengste, die Arbeit an Seitengängen und versammelten Lektionen oder die Vorbereitung der Schulen über der Erde.

Welche Pferde gezeigt werden, steht nicht jeden Morgen im Voraus fest. Auch deshalb lohnt sich der Besuch. Wer Interesse daran hat, einen Einblick zu bekommen in die Portugiesische Reitkunst und die dazugehörige Ausbildung, die über viele Jahre aufgebaut wird, ist hier genau richtig.

Mein Tipp: Vor der Morgenarbeit, die um 12 Uhr beginnt, kannst du ab 11 Uhr den Páteo da Nora auf eigene Faust besichtigen oder an einer Führung teilnehmen. Die Führung ist auf Portugiesisch, Englisch, Französisch und Spanisch möglich. In dem Vierkanthof befinden sich die Stallungen, die Sattelkammer, ein überdachter Reitplatz, auf dem die Pferde aufgewärmt werden, sowie ein Museum, in dem du dich über die Geschichte der Reitschule informieren kannst. Im Páteo da Nora lässt sich aus nächster Nähe beobachten, wie die Hengste auf das Training vorbereitet werden. Auf der Seite von Parques de Sintra kannst du HIER Tickts kaufen und findest Termine (z.B. für die Galas). Es gibt außerdem ein Café und einen Souvenir-Shop (in dem Du übrigens auch mein Buch kaufen kannst).

3. Die Coudelaria de Alter besuchen

Die Coudelaria de Alter wurde 1748 gegründet. Bis heute werden dort die Alter-Real-Pferde gezüchtet, deren Brandzeichen mit der Krone und den Buchstaben AR an ihre königliche Herkunft erinnert.

Bei einer Führung sieht man historische Stallungen, Reitplätze und Teile des weitläufigen Gestütsgeländes. Besonders eindrücklich ist es, wenn die Stuten von den Wiesen zurück in die Stallungen getrieben werden. Ob die Eguada (=Stutenherde) während eines Besuchs zu sehen ist, hängt von der Jahreszeit und dem Tagesablauf des Gestüts ab.

Doch zum Erlebnis gehört auch schon die Fahrt nach Alter do Chão. Die Straße führt durch den nördlichen Alentejo, vorbei an Korkeichen, Olivenhainen und großen Weideflächen.

Mein Tipp: Frag bei der Anmeldung ausdrücklich nach der Stutenherde. Die Coudelaria empfiehlt selbst, vorab zu klären, ob die Eguada während des geplanten Besuchs zu sehen sein wird. Informationen zu Führungen, Preisen und Reservierungen findest du HIER.

4. Ein privates Lusitano-Gestüt kennenlernen

Die staatliche Zucht in Alter do Chão erzählt einen wichtigen Teil der Geschichte. Die Vielfalt des heutigen Lusitanos und der Visionen seiner Züchter lässt sich jedoch vor allem in den privaten Gestüten entdecken.

Im direkten Gespräch mit dem Züchter wird am besten klar, weshalb er bestimmte Stuten und Hengste miteinander anpaart, welche Eigenschaften ihm wichtig sind und für welchen späteren Einsatz er seine Pferde auswählt. Auf der Weide lassen sich die Pferde ungezwungen beobachten, die Bewegungen in Freiheit und der direkte Kontakt mit den Pferden lassen deutlich mehr Schlüsse zu, als bei der bloßen Beobachtung auf einem Turnierplatz oder bei einer Zuchtschau. Im Campo lassen sich Pferde verschiedener Altersstufen besuchen und auch die Philosophie des Züchters in Bezug auf Ausbildung, Haltung und Fütterung ist viel eher greifbar.

Bitte beachte: Die meisten portugiesische Gestüte sind keine Ausflugsziele sondern private Betriebe. Besuche müssen deshalb immer vorab vereinbart werden bzw. sind teilweise nur über persönliche Kontakte, Veranstaltungen oder organisierte Programme möglich.

Mein Tipp: Wenn du die Möglichkeit hast, ein Gestüt zu besuchen, bring Zeit mit! In Portugal gehört zu einem Gestütsbesuch oft ein längeres Gespräch. Gerade dabei erfährt man viel über die Pferde, ihre Familien und die Geschichte des Betriebs. Wenn sie dich eingeladen haben, erzählen die portugiesischen Züchter sehr gerne von ihren Pferden.

5. Eine Stutenherde mit ihren Fohlen beobachten

Wer eingeladen wurde, ein Gestüt zu besuchen, wird dort, je nach Jahreszeit meist auch eine Stutenherde mit Fohlen gezeigt bekommen. Da die meisten Züchter die Fohlensaison so planen, dass die Fohlen zwischen Januar und April zur Welt kommen, damit sie schon größer sind, wenn es im Sommer so heiß ist, solltest du auch dran denken, dass die Fohlen in Portugal meist nach spätestens sechs Monaten abgesetzt werden. Traditionell ist eigentlich kurz vor St. Martin, als im Oktober, die Zeit zum Absetzen. Früh im Jahr geborene Fohlen werden aber auch deutlich früher abgesetzt - meist damit die Mütter sich erholen können. Die beste Zeit für den Besuch einer Stutenherde mit Fohlen ist also zwische April und Juli (das ist auch die Zeit, in der meine Lusitano-Workshops stattfinden).

Im Frühjahr und Frühsommer stehen viele Stuten mit ihren Fohlen draußen. Einige Fohlen bleiben eng bei der Mutter. Andere schließen sich zu kleinen Gruppen zusammen, galoppieren über die Weide und erproben im Spiel schnelle Wendungen und abrupte Stopps.

Mein Tipp: Bring auch hier Zeit mit und beobachte. Du wirst aber sowieso merken:Wenn du von einem Züchter eingeladen wurdest und mit ihm die Herde besichtigst, wirst du dich vor den ganzen neugierigen Fohlenschnuten kaum retten können. Meist sind sie so neugierig und kuschelig, dass reines Beobachten fehlschlägt -dafür bist du als Fremdling dann eh zu spannend.

Stuten im Stall in der Coudelaria de Alter (Foto: Agnes Trosse)

Du möchtest noch mehr über den Lusitano erfahren?

In meinem kostenlosen E-Book „8 Einblicke in die Welt des Lusitanos“ geht es um seine Herkunft, seine Geschichte, seinen Charakter und die portugiesische Reitkultur.

6. Einen Lusitano in Portugal reiten

Viele Lusitano-Fans besuchen Gestüte, Messen und Vorführungen, ohne während ihrer Reise selbst in den Sattel zu steigen. Das kann ich sehr gut verstehen, denn ich bin kein Freund von Touri-Reitställen und auch in Portugal solltest du deshalb immer darauf achten, wo du hingehst, wenn du reiten möchtest. Allerdings kann ein gut ausgebildetes Pferd bei einem verantwortungsvoll geführten Betrieb und unter der Anleitung eines guten Reitlehrers durchaus einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Aber Vorsicht: Wenn du bisher noch nicht oft im Sattel eines Lusitanos gesessen hast, wird es vermutlich nicht das letzte Mal gewesen sein. 😉

Allein dass das Pferd ein Lusitano ist, sagt allerdings wenig über den Ausbildungsstand eines einzelnen Pferdes aus. Zwischen einem Schulpferd, das auch Anfänger gut mitnimmt und einem fein ausgebildeten Schulhengst oder einem verlässlichen Working Equitation Pferd, das auch Trailhindernisse gut kennt, liegen erhebliche Unterschiede. In Portugal gehen die Vorstellungen von guter Ausbildung übrigens teilweise genauso weit auseinander wie in Deutschland. Ein guter Anbieter wird dich immer nach deiner reiterlichen Erfahrung fragen und wählt das Pferd entsprechend aus.

Wenn du eine Reitstunde nimmst, solltest du anfangs weniger Wert legen auf spektakuläre Lektionen. Achte darauf, dass dem Stall eine gute Grundausbildung wichtig ist. Wenn du den Stall schon besser kennst, und dein reiterliche Können so weit reicht, wirst du vermutlich sowieso sehr schnell auch Lektionen reiten (während meiner Workshops empfehle ich dir Reitställe, die ich selbst schon getestet habe, wenn du gerne reiten möchtest).

Mein Tipp: Beschreibe bei der Buchung ehrlich, wie sicher du im Sattel bist, welche Art von Pferd du normalerweise reitest und was du dir von der Reiteinheit wünscht. Das wird dem Stallbetreiber helfen, das richtige Pferd für dich herauszusuchen. Dann ist auch ein tolles Erlebnis garantiert.

7. Ein Strandritt mit Lusitano

Der Lusitano ist eng mit den Landschaften verbunden, in denen er gezüchtet und genutzt wurde. Im Ribatejo führen Wege durch offene Ebenen und entlang der Niederungen des Tejo. Im Alentejo prägen Korkeichen, Olivenhaine und trockene Weideflächen das Bild. An der Atlantikküste bieten einige Betriebe Ausritte am Strand an.

Ein Galopp am Meer bleibt zweifellos in Erinnerung. Ein langer Schrittausritt durch eine Korkeichenlandschaft bietet dafür mehr Gelegenheit, die Umgebung und das Pferd wahrzunehmen. Wie schon geagt, bin ich kein Freund von touristischen Ausritten, bei denen es hauptsächlich darum geht, Leute durch die Landschaft zu schippern. Meist haben die Teilnehmer nie auf einem Pferd gesessen und für die Pferde ist das meiner Ansicht nach schrecklich.

Bei Strandritten müssen zudem Gezeiten, Untergrund und Besucheraufkommen berücksichtigt werden. Der Anbieter sollte daher die Strecke gut kennen und die Gruppen nach dem reiterlichen Können zusammenstellen (auch für Strandritte kenne ich einige wenige Betriebe, bei denen ich schon geritten bin und die ich dir im Rahmen meiner Workshops empfehlen kann)

Mein Tipp: Bevor du bei einem touristisch orientierten Stall einen Strandritt machst, guck genau hin! Frag am besten Locals, welche Betriebe sie wirklich aus eigener Erfahrung empfehlen können - auch in Bezug auf Haltung und Umgang. Entscheide nicht allein nach den Bildern des Anbieters. Frage nach Dauer, Gruppengröße, Tempo und Ausbildungsstand der Pferde. Wenn du vor Ort auf Widersprüche triffst oder etwas anderes erlebst als vorab angekündigt war, sprich mit dem Betrieb und teile ihm deine Enttäuschung mit. Ich habe es selbst schon erlebt, dass ich einen Ritt mit Galopp am Strand gebucht habe und stattdessen hinter zwei Touristen im Schritt herritt, die in Sandalen das erste Mal auf ein Pferd gestiegen waren. Das fand ich maßlos enttäuschend. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, da ich früher in Frankreich Strandritte begleitet habe, dass viele Leute sich anmelden und falsche Angaben dazu machen, wie gut sie reiten können.

8. Working Equitation in Portugal sehen

Die Working Equitation greift Aufgaben aus der traditionellen Arbeitsreiterei Südeuropas auf. In einem Trail bewältigen Pferd und Reiter unter anderem Tore, Brücken, Stangen, Tonnen und andere Hindernisse. Hinzu kommen eine Dressurprüfung, ein Geschwindigkeitstrail und bei bestimmten Wettbewerben die Arbeit mit Rindern.

Gute Ritte zeichnen sich durch kontrollierte Wendungen, schnelle Reaktionen und eine genaue Abstimmung zwischen Pferd und Reiter aus. Die Hindernisse zeigen außerdem, ob die in der Dressur erarbeitete Rittigkeit in unterschiedlichen Situationen erhalten bleibt.

In Portugal reicht die Bandbreite von regionalen Prüfungen bis zu internationalen Wettbewerben. Auch bei Feiras wie der ExpoÉgua in Golegã oder der Feira do Cavalo in Ponte de Lima gehört Working Equitation regelmäßig zum Programm.

Mein Tipp: Sieh dir neben dem Geschwindigkeitstrail auch die Dressur und den Stiltrail an. Dort lassen sich Hilfengebung und die Abstimmung von Pferd und Reiter sehr gut beobachten.

Darstellung an einer Mauer in Azambuja: Campinos in typischer Tracht mit Pferden und Stieren (Foto: Agnes Trosse)

9. Campinos bei der Arbeit erleben

Die Campinos gehören zur Kulturlandschaft des Ribatejo. Zu ihren traditionellen Aufgaben zählt die Betreuung der Rinderherden. Das Pferd ist dabei ein wichtiges Arbeitsmittel.

Bei Festen und offiziellen Auftritten tragen Campinos meist ihre charakteristische Kleidung mit roter Mütze, weißem Hemd und kurzer Jacke. Einen anderen Eindruck vermittelt die tatsächliche Arbeit mit einer Herde. Pferde müssen dort schnell reagieren, gut am Rindern arbeiten und auch in unübersichtlichen Situationen kontrollierbar bleiben.

Die Arbeit mit den Rinderherden stellt besondere Anforderungen an die Pferde. Sie müssen wendig, ausdauernd und auch am Rind zuverlässig kontrollierbar bleiben. Damit hat die Arbeit der Campinos die Auswahl und Ausbildung der Gebrauchspferde im Ribatejo mitgeprägt. Wer den Lusitano bisher vor allem aus dem Dressurviereck kennt, begegnet hier einem anderen Teil der portugiesischen Pferdekultur.

Allerdings sitzen Campinos nicht zwangsläufig auf reinrassigen Lusitanos. Zu sehen sind auch Cruzados und andere leichtere Gebrauchspferde. Welche Rassen in ihnen stecken, lässt sich anhand ihres Erscheinungsbildes jedoch nicht immer sicher bestimmen.

Mein Tipp: Achte bei Veranstaltungen darauf, ob eine Parade, eine Geschicklichkeitsprüfung oder die Arbeit mit Rindern angekündigt ist. Sie vermitteln sehr unterschiedliche Eindrücke von den Aufgaben eines Campino. Bei manchen Feiras im Ribatejo gehören außerdem entradas oder largadas de toiros zum Programm. Bei einer entrada treiben Campinos die Rinder zu Pferd durch den Ort. Bei einer largada werden einzelne Stiere auf einem abgesperrten Straßenabschnitt freigelassen. Auch der Fandango – ein traditioneller Tanz- ist eng mit der regionalen Campino-Kultur verbunden.

10. Einem Sattler über die Schulter schauen

Portugiesische Sättel, Kandaren und Zäume erzählen von unterschiedlichen Einsatzgebieten und Epochen. Der Relvas-Sattel wurde im 19. Jahrhundert von Carlos Relvas entwickelt. Der Landbesitzer aus Golegã war ein passionierter Reiter, Erfinder und trat auch als Amateurstierkämpfer auf. Die ältere Sela Portuguesa geht auf die iberische Sela Gineta zurück. Ihre hohen Vorder- und Hinterzwiesel geben dem Reiter zusätzlichen Halt. Besonders eng ist diese Sattelform mit dem berittenen Stierkampf verbunden, sie gehört jedoch auch zum Bild der traditionellen portugiesischen Reitkunst.

In einer Werkstatt lässt sich verfolgen, wie Leder zugeschnitten, Kanten bearbeitet, Beschläge angepasst und die einzelnen Teile zusammengesetzt werden. Manche portugiesischen Betriebe arbeiten seit mehreren Generationen. Andere verbinden traditionelle Formen mit heutigen Anforderungen. Die wichtigsten und traditionsreichsten Sattlerbetriebe habe ich für mein Buch besucht. Darin erzähle ich von den Gesprächen, die ich mit den Sattlern geführt habe.

Golegã ist übrigens ein guter Ausgangspunkt, um dieses Handwerk kennenzulernen. Eine sehr beliebte Werkstatt befindet sich im Nachbarort Pombalinho. Weitere namhafte Sattler findest du in Alcácer do Sal, Samora Correia und Malveira.

Mein Tipp: Vereinbare einen Besuch außerhalb der großen Pferdemessen. Während der Feiras haben viele Handwerker wenig Zeit, weil im Geschäft besonders viel Betrieb herrscht. Oft gibt es auch die Möglichkeit, telefonisch oder per Mail zu bestellen.

11. Die ExpoÉgua im Frühjahr besuchen

Während bei der Feira Nacional do Cavalo im November vor allem Hengste und das gesellschaftliche Ereignis einen großen Raum einnehmen, rücken bei der ExpoÉgua im Frühjahr die Stuten und die Zucht stärker in den Mittelpunkt.

Auf dem Largo do Arneiro werden Stuten mit und ohne Fohlen vorgestellt. Zuchtwettbewerbe, Gestütspräsentationen und Reitprüfungen ergänzen das Programm. Die Atmosphäre ist übersichtlicher als bei der großen Novemberfeira. Dadurch bleibt mehr Zeit, die Pferde zu beobachten und mit Züchtern ins Gespräch zu kommen. Die ExpoÉgua bildet zugleich den Auftakt der Festtradition rund um São Martinho. Während der Veranstaltung nimmt die Confraria dos Romeiros de São Martinho – Cavaleiros de Tradição de Portugal ihre neuen Mitglieder auf. Die neuen Romeiros erhalten die Insignien der Bruderschaft: das Kreuz der Romeiros und die rote meia-capa. Anschließend beginnt die Romaria zu Pferd. Die Strecke führt über die Wege und Felder rund um Golegã und ändert sich von Jahr zu Jahr. Zum Abschluss treffen sich die Teilnehmer zu einem gemeinsamen Picknick. Die Romaria gehört seit 2002 zum Programm der ExpoÉgua.

Mein Tipp: Die ExpoÉgua eignet sich besonders für Reisende, denen die Feira im November zu voll ist oder die den Ort einfach mal zu einer anderen Jahreszeit erleben möchten. Das Wetter ist in der Regel Ende Mai bereits sommerlich, die Abende können jedoch häufig noch kühl sein.

12. Eine kleinere Feira im Sommer besuchen

Golegã ist die bekannteste Pferdestadt Portugals. Die Lusitano-Zucht und die portugiesische Reitkultur lassen sich jedoch auch in anderen Regionen erleben.

Die Feira do Cavalo in Ponte de Lima zeigt, wie stark sich die Zucht im Norden entwickelt hat. In Estói an der Algarve findet ebenfalls eine traditionsreiche Pferdemesse statt. Regionale Veranstaltungen bringen andere Gestüte, Reiter und Publikumsschichten zusammen als die großen Termine im Ribatejo.

Eine solche Feira lässt sich gut mit der Erkundung der jeweiligen Region verbinden. Gerade dadurch wird sichtbar, dass der Lusitano heute in ganz Portugal gezüchtet und auf unterschiedliche Weise präsentiert wird.

Mein Tipp: Warte mit der genauen Tagesplanung, bis das Programm veröffentlicht wurde. Zuchtklassen, Working-Equitation-Prüfungen und Galaabende verteilen sich häufig über mehrere Tage. Wenn Du up-to-date sein möchtest, hast du alle Feste mit meinem 0-Euro-Lusitano-Eventkalender im Blick! Meine Workshops sind übrigens alle um kleinere, noch unbekanntere Feiras im Frühjahr und Sommer aufgebaut. Vielleicht hast du ja Lust, mich zu einer zu begleiten.

13. In Queluz und Lissabon auf den historischen Spuren der Reitkunst wandeln

Der Palácio Nacional de Queluz vermittelt eine Vorstellung von der höfischen Welt, in der Reitkunst und Zeremoniell eng miteinander verbunden waren. Seit 1996 hat die Portugiesische Hofreitschule ihren Sitz in den Gärten des Palastes. Ihre regelmäßigen Vorführungen finden seit 2015 im Picadeiro Henrique Calado in Belém statt. Die Stallungen und der Sitz der Schule befinden sich jedoch weiterhin in Queluz.

Im Palast befindet sich außerdem die Biblioteca de Arte Equestre D. Diogo de Bragança, VIII Marquês de Marialva. Sie ist die einzige öffentlich zugängliche Bibliothek Portugals, die ausschließlich der Reitkunst gewidmet ist. Ihr Bestand umfasst heute rund 2.000 Publikationen sowie Gravuren, Gemälde und weitere Objekte.

Auch der Palast und seine Gärten sind einen Besuch wert. In den ehemaligen Stallungen der Königin Amélia, in Kunstwerken und in der Gestaltung der Anlage finden sich zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung der Pferde am portugiesischen Hof. Die Räume erzählen zugleich vom Leben der königlichen Familie, insbesondere von D. Pedro III. und D. Maria I., die Queluz im 18. Jahrhundert zur königlichen Residenz ausbauen ließen.

In Lissabon führt die Spurensuche weiter zum Museu Nacional dos Coches. Die ausgestellten Kutschen zeigen, welchen Aufwand höfische Mobilität und Repräsentation erforderten. Fahrzeuge, Geschirre und Bildprogramme erzählen von der Rolle der Pferde am portugiesischen Hof.

An diesen Orten wird verständlich, weshalb sich die Geschichte des Lusitanos nicht allein in Gestütsbüchern nachlesen lässt. Sie findet sich ebenso in Palästen, Reithallen, Sätteln, Gemälden und Kutschen.

Mein Tipp: Verbinde den Besuch des Kutschenmuseums mit einem Morgen bei der Portugiesischen Hofreitschule. Beide liegen in Belém und lassen sich gut an einem Tag besuchen.

Welche Punkte stehen auf deiner Lusitano-Bucket-List?

Vielleicht hast du einige dieser Erlebnisse bereits abgehakt. Vielleicht steht deine erste Reise nach Portugal noch bevor. Welche Begegnungen tatsächlich möglich sind, hängt von der Reisezeit und den vereinbarten Besuchen ab. Gerade Gestüte und Werkstätten sollten nicht ohne Anmeldung angefahren werden.

Königliche Kutsche von Dom João V. im Kutschenmuseum in Lissabon. (Foto: Agnes Trosse)

Du möchtest noch mehr über den Lusitano erfahren?

In meinem kostenlosen E-Book „8 Einblicke in die Welt des Lusitanos“ geht es um seine Herkunft, seine Geschichte, seinen Charakter und die portugiesische Reitkultur.

agnes@motivierte-pferde.de

Tel: +49-172-4344018