Alte Meister aus Deutschland
Hier ein Überblick über einige der wichtigsten Alten Meister für Reitkunst in Deutschland.
AUSBILDUNG


Georg Engelhard von Löhneysen (1552-1622)
Georg Engelhard von Löhneysen war ein braunschweigischer Berghauptmann, Stallmeister, Verleger und Schriftsteller.
Löhneysen erhielt seine Ausbildung in Würzburg und Coburg. Mit 16 Jahren nahm er am Zweiten Hugenottenkrieg teil und trat dann in die Dienste des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach.
Kurfürst August holte ihn 1575 als Lehrer für Reiterei und Fechten an seinen Hof in Dresden. Löhneysen diente 1583 als Stallmeister in Gröningen unter Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. Während seiner Zeit dort erwarb er das Gut Remlingen und richtete 1596 mit seiner Setzerei eine Druckerei ein. 1599 wurde Remlingen zum Rittergut erhoben.
Georg Simon Winter von Adlersflügel (1629–1701)
Georg Simon Winter von Adlersflügel, ein deutscher Reitmeister, Pferdedoktor und Schriftsteller, entstammte der Adelsfamilie Winter von Adlersflügel. Nachdem er im schwedischen und spanischen Heer gedient hatte, erhielt er von 1655 bis 1656 eine Ausbildung bei dem Heidelberger Reit- und Stallmeister Aurelius Sebastianus Frobenius. Er trat anschließend die Nachfolge seines Vaters als Reiter in Ansbach an. Er diente als Oberbereiter und Stutenmeister am Hof der Markgrafen Albrecht und Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach.
Im Jahr 1672 folgte Winter von Adlersflügel dem Ruf Eberhards III. von Württemberg zum herzoglichen Stutenmeister. Seine Ämter im Haupt- und Landgestüt Marbach, in den Fohlenstationen Urach und Grafenau sowie im Eselgestüt Offenhausen legte er wegen des Niedergangs der württembergischen Pferdezucht nieder. Er konzentrierte sich dann auf die Veröffentlichung von Schriften zur Pferdemedizin und -zucht. 1681 adelte ihn Kaiser Leopold I. und fügte seinem Namen den Zusatz „von Adlersflügel“ hinzu.
Um 1690 war Winter von Adlersflügel als Stallmeister in Brandenburg tätig, bevor er an den dänischen Hof wechselte. Er wurde Reitmeister an der Christiansborger Reitschule und bildete die berühmten dänischen Knabstrupper aus. Im Jahr 1697 übernahm er das Amt des Reiters in Gröningen. Bis zu seinem Tod lebte er in der ehemaligen Diözese Halberstadt in Brandenburg.
Winter von Adlersflügels Schriften, die nach seinem Tod mehrfach veröffentlicht wurden, galten im 18. Jahrhundert als Standardwerke der Pferdemedizin.
Friedrich Wilhelm von Eisenberg (1685–1764)
... auch genannt Friedrich Wilhelm Baron Reis de’ Eisenberg, war ein deutscher Reit- und Stallmeister, der bedeutende Fachliteratur verfasste und bemerkenswerte Illustrationen dazu schuf.
Von Eisenberg begann seine Karriere in seiner Jugend in den Diensten von Sachsen-Weimar-Eisenach, einem Herzogtum im heutigen Thüringen. Später verbrachte er sechs Jahre in Neapel und diente als Reit- und Stallmeister am Hof des Vizekönigs von Neapel, Wirich Philipp von und zu Daun. Anschließend zog er nach Wien, wo er bei Johann Christoph Regner, Edler von Regenthal, dem Hofreitmeister, lernte und von ihm maßgeblich beeinflusst wurde. In Wien wurde er auch der Reitlehrer des späteren Kaisers Franz I.
Von Eisenbergs Reise führte ihn dann für mehrere Jahre nach England, wo er 1727 „The Art of Riding a Horse“ verfasste. Dieses Werk wurde zu einem Standardwerk und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Während seiner Zeit in England schuf er 55 Gouachen, die Lektionen der Hohen Schule abbilden. Diese Gouachen sind Teil der Sammlung von Wilton House.
Nach seinem Aufenthalt in England kehrte von Eisenberg auf habsburgisches Gebiet zurück und übernahm die Leitung der Reitschule in Pisa im Großherzogtum Toskana.
Ludwig Hünersdorf (1748-1813)
Hünersdorf war der erste deutsche Hippologe, der sich als Ausbilder nicht auf professionelle Reiter, sondern auf Amateure konzentrierte. Er absolvierte eine Ausbildung an der Reitakademie in Kassel und nahm anschließend eine Stellung an der Reitakademie in Marburg an. 1776 trat er in die Dienste des Prinzen von Hessen, der ihm bereits zwei Jahre später die Aufsicht über seine Ställe übertrug. 1786 erreichte er die Position des Chefbereiters.
Louis Seeger (1798-1865)
Seeger gründete in Berlin die erste private Reitschule Deutschlands. Hier nahm auch Gustav Steinbrecht bei ihm Unterricht. Seeger beschäftigte sich schon intensiv mit der natürlichen Schiefe des Pferdes und stellte die Theorie auf, dass diese darauf zurückzuführen sei, dass die Schultern des Pferdes schmaler seien als seine Hüften. Er war zudem der Ansicht, Baucher sei „der Totengräber der französischen Reiterei“.
Ernst Friedrich Seidler (1798-1865)
Im Gegensatz zu Seeger ging E. F. Seidler bei der Analyse der Baucher’schen Veröffentlichungen unvoreingenommener vor. Er bemühte sich, sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede zwischen Bauchers Reitweise und den in Deutschland angewandten Methoden herauszustellen. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass Seidler Bauchers Techniken nicht vollständig übernommen hat, da er einen Teil davon ablehnte. In seiner Zeit als Leiter der Militärschule in Schwedt verfasste Seidler zwei bedeutende Werke: „Leitfaden zur gymnastischen Bearbeitung des Campagne- und Gebrauchspferdes“ (1837) und „Die Dressur diffiziler Pferde“ (1846).
Gustav Steinbrecht (1808-1885)
Gustav Steinbrecht wird oft als „Vater der deutschen Reitkunst" bezeichnet, ähnlich wie Pluvinel als „Vater der französischen Reitkunst". Er war ein klassischer Meister der alten deutschen Schule und sein Grundprinzip „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade" ist auch heute noch aktuell. Sein 1884 erstmals erschienenes Buch „Das Gymnasium des Pferdes" ist zu einem Grundstein für die klassische Reitkunst in Deutschland geworden.
Steinbrecht hob sich von seinen Zeitgenossen, darunter Seeger und Seidler, ab. Sein tiefes Verständnis für Bewegungsabläufe und das Zusammenspiel der Muskeln zeigt sich in seiner Betonung der Koordination von Halsbeugung und Hinterhandflexibilität. Steinbrecht war der Meinung, dass Leichtigkeit niemals Geradheit oder Schwung beeinträchtigen darf. Wie Baucher und Fillis beschäftigte sich übrigens auch Steinbrecht mit der Zirkusreiterei.
Egon von Neindorff (1923-2004)
Egon von Neindorff gründete nach dem Zweiten Weltkrieg das Egon-von- Neindorff-Institut in Karlsruhe. Bis zu seinem Tod im Jahr 2004 widmete er sich hier der Ausbildung von Pferden und Reitern nach den Grundsätzen der klassischen Reitkunst. Beeinflusst von namhaften Reitern wie Felix Bürkner, Otto Lörke und Alois Podhajski, war ihm der Einsatz feiner Hilfen und die Bedeutung eines aufmerksamen, selbsttragenden Pferdes wichtig. Zu von Neindorffs Verdiensten zählt die Förderung junger Reiter aus Deutschland und dem Ausland sowie zahlreicher Pferde bis zur Hohen Schule. Ihm war ein respektvoller Umgang mit Pferden besonders wichtig. Sein Motto: „Wenn dein Pferd einen Fehler macht, suche die Ursache bei dir selbst. Und wenn du sie nicht findest, dann suche noch gründlicher.“ Reiter-Tugenden wie Bescheidenheit, Fleiß, Disziplin und Verantwortung lebte er seinen Schülern vor. Er distanzierte sich später von der modernen Dressur, obwohl er nach dem Krieg selbst auch im Sport aktiv war. Egon von Neindorff erlangte internationale Anerkennung als der letzte große deutsche Reitmeister.
